STAPHISAGRIA Teil VI - DIE SCHULD
Geschrieben von Sebastian am 28. April 2002 00:27:35:
Als Antwort auf: Re: STAPHISAGRIA Teil V - DEPRESSION geschrieben von Sebastian am 27. April 2002 18:54:21:
Schuld
Jezz gehz ein bisschen in die Tiefe, Leute!
Im Positiven hat Staphisagria ja ein ausgeprägtes Empfinden von Recht, einer gewissen Ordnung und vor allen Dingen von Wahrheit und Lüge. Wenn aber Staphisagria noch nicht 'an seinem Kern dran' ist, also noch keinen konstruktiven Zugang zu seinen Gefühlen hat, dann ist er auf ein äußeres moralisches Gerüst, auf 'Vorstellungen' angewiesen, weil er auch nicht ins Innere der Verhältnisse vordringen kann - und somit natürlich auch kein Verständnis dafür hat. Aber er hat eigentlich immer das Bestreben, das Gute und das Böse zu unterscheiden, das Rechte vom Unrechten, das Moralische vom Unmoralischen - egal. Der Unterschied zum positiven Staphisagria ist der, dass dieser die natürlichen Verhältnisse erkennt und weiß, wie sie herzustellen sind. Im Negativen verhält es sich so, dass er entweder einen ganz starken, auch konservativen Moralkodex hat - mitgebracht durch Elternhaus, Gesellschaft und Religion. Ist er schon etwas entwickelter, dann hat er sich davon schon gelöst, aber er hat eigene Wahrheiten gefunden, die für ihn vielleicht richtig sind und die er gerne auf alle übertragen möchte, eben weil er sie so gut findet. Diese passen aber trotzdem nicht, weil sie den Naturgesetzen nicht entsprechen, sondern seiner Idealvorstellung.
Staphisagria ist an und für sich bemüht, die Ursache zu finden. Weil er genau weiß, dass wenn die Ursache behoben ist, die Folgen dann in Ordnung gebracht werden können. Er hat aber auch die Vorstellung, dass der Verursacher ganz allein dafür verantwortlich ist, die Sache zu bereinigen. Und nachdem der Verursacher das nicht einsieht, fährt Staphisagria stärkere Geschütze auf. Der andere ist dann nämlich nicht mehr nur der Verursacher, sondern der 'Schuldige'. Hier kommt schon mal eine ganz andere Konmponente in das Naturgesetz von Ursache und Wirkung hinein!!! Der Verursacher - so setzt es Staphisagria einfach voraus - hat seinen Mist in voller Absicht gebaut, trägt somit allein die 'Schuld' daran und deswegen auch die Konsequenzen. Die Konsequenzen geschehen dem anderen als nur recht! Und wenn das Recht - die Strafe Gottes - nicht von selber eintritt, dann ist er auch gerne bereit ein wenig nachzuhelfen, so der andere nicht einsichtig ist.
Dass mittlerweile oder sogar schon vorher andere an der Misere mitgebastelt haben und die Ursachen oft an anderer Stelle gesucht werden müssen, wird dabei geflissentlich übersehen.Für Staphisagria ist zunächst die Geschichte schon sehr weit gediehen, wenn er den Schuldigen gefunden hat. Genaugenommen ist es für Staphisagria in dem Moment erledigt, wenn der andere dann entweder seine Schuld einsieht oder aber von außen eine gerechte Strafe erhält. Dann ist Staphisagria zufrieden!
Das wirkt auch hervorragend in Streitdebatten oder in hitzigen Auseinandersetzungen mit Staphgisagria und ihr müsst das unbedingt mal ausprobieren. Ich hätte es eigentlich mal bei Kerstin Z. demonstrieren wollen oder vielleicht auch bei Kaza - aber dann wäre ihr Lernprozess auf dem Spiel gestanden und das wollte ich nicht. Das Ego des anderen wird dabei befriedigt und es bringt ihn dann keinen Schritt weiter. Andererseits hat man damit schnell seine Ruhe. Einfach zu Staphisagria sagen: "Ja, es tut mir Leid!" oder "Ich seh es ein! Du hast recht!" Das sind die geradezu magischen Worte! Ein "Entschuldigung" und der lässt sofort locker. Der andere ist einsichtig, also gut: "Schwamm drüber!"
Dass sich der ganze Mist aber ständig weiter wiederholt, kann Staphisagria dann gar nicht begreifen. Das liegt einfach daran, dass der Begriff 'Schuld' mit starken, einseitigen Gefühlen belastet ist und der Begriff 'Ursache' eigentlich völlig neutral ist. Das bedeutet: Wer sich auf den Begriff der 'Schuld' oder des 'Schuldigen' versteift, ist niemals in der Lage einen neutralen Punkt zu erreichen. Man muss also zur Ursache des Ganzen vordringen! Da macht dem Staphi jedoch leider die Moral einen Strich durch die Rechnung. So verurteilt Staphisagria Menschen!
Das ist vergleichbar mit dem Mondlicht: Derjenige, der glaubt, der Mond sei die Quelle des Lichts, hat übersehen, dass die unsichtbare Quelle die Sonne ist, die der Mond nur reflektiert. Genauso reflektiert die Schuld nur die Ursache - aber eben gefühlsbeladen und damit total blockierend!Der Weg wäre eigentlich hinter der Schuld die Ursache zu erkennen, das Schuldgefühl zu wandeln, um somit die Situation zu bereinigen. Das ist es was der positive Staphisagria kann. Er ist ein erstklassiger Schlichter! Die Kunst es wandeln zu können liegt tatsächlich in der Wandlung der Schuld. Die Ursache zu betrachten ist ein noch relativ leichtes Stück, denn sie liegt zu einem Teil noch im geistigen Bereich. Aber die wirkliche Schwierigkeit liegt im Emotionalen und die wahre Kunst ist es, sich selbst und auch andere von Schuldgefühlen zu befreien oder Schuldgefühle nicht auf andere abzuwälzen, um Situationen zu klären.
Staphisagria macht sich im Krankhaften ebenso Selbstvorwürfe! Wegen jeder Kleinigkeit bei der er meint, dass er etwas falsch gemacht hat, macht er sich Vorwürfe. Er zerreißt sich schier vor Schuldgefühlen und erwartet auch die schlimmsten Konsequenzen, die dann natürlich mitunter auch eintreffen. Das bestätigt ihn dann auch noch in seiner irrigen Annahme und er sagt sich: "Siehst du! Weil ich das jetzt so und so gemacht habe, kommt alles auf mich zurück! Das ist jetzt die gerechte Strafe!" Karmafanatiker!! Vor dreihundert Jahren hat er seiner Mutter mit dem Nudelholz eins übergebraten und das rächt sich nun. Der glaubt wirklich so einen Kram!!
Ein paar Worte zum Karma: Karma hat nicht das Geringste mit Schuld zu tun und auch nicht mit Strafe!!! Es handelt sich hier lediglich um eine Aufgabe, die das höhere Selbst für dieses Leben oder für einen bestimmten Lebensabschnitt gestellt hat, um bestimmte Lernprozesse zu machen. Ich möchte mich ausdrücklich dagegen verwehren, diesem Glauben anzuhängen ein ganzes Leben lang sinnlos leiden zu müssen, weil es vom Karma so gewollt ist oder gar weil man irgendeine schuldhafte Tat einst begangen hat. Das geht soweit, dass ein paar Irre doch tatsächlich kein Fleisch mehr essen, weil sie meinen, dass sie sich sonst karmisch damit belasten würden und all so ein Käse.
Die karmischen Gesetze beruhen tatsächlich lediglich auf dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Es handelt sich um einen Lernprozess, um etwas wandeln zu können. Mit Schuld hat das nichts zu tun und auch nicht mit einer Strafe Gottes oder all so einem Schmarrn, was einem da in den verschiedenen Sekten oder von vielen Moralanschauungen(!!) so alles eingetrichtert wird. Also mal ganz einfach gesagt: Wenn ick ausm Fenster hippse, dann ist es nicht die Strafe Gottes, die mich ereilt hat, wenn ick mir alle Knochen gebrochen habUnd es ist auch falsch zu sagen: "Ich bin schuld an etwas und jetzt muss ich dafür büßen!", sondern: "Ich bin verantwortlich dafür und ich mache es jetzt oder das nächste Mal besser!"
An dieser Stelle drängt sich noch ein kleiner Ausflug in das Mittelbild von Carcinosimum auf, denn in der Schuldangelegenheit überschneiden sich die Mittel in einigen Dingen:
Bei Carcinosinum geht es noch mehr um Schuldgefühle und wir finden hier auch beide Seiten: Den Täter und das Opfer in Carcinosinum. Das Spielen mit Schuldgefühlen oder das Provozieren von Schuldgefühlen wird hier benutzt, um über andere eine große Macht zu erlangen. Besonders stark hat sich in dieser Richtung natürlich unsere christliche Kirche betätigt - heute wird es mehr noch von der Schulmedizin genutzt: "Wenn sie das Cortison nicht nehmen, dann kriegen Sie das nicht mehr weg! Da sind sie dann selber Schuld daran!" - "Wenn Sie ihr Kind nicht impfen lassen, dann sind Sie eine verantwortungslose Rabenmutter! Sie sind schuld daran, wenn das Kind an Polio erkrankt!"
Was fühlt man denn, wenn man so etwas von jemand gesagt bekommt?? Fühlt mal rein! Man bekommt Angst und Schuldgefühle, wenn man sich nicht auf seine innere Stimme verlassen kann, nicht darf. Es wird einem versucht etwas zu entreißen. Selbstbestimmung! Die Verantwortung wird einem 'gnädig' abgenommen. Es kostet eine gute Portion Selbstbestimmtheit, sich gegen solche Manipulationen zu wehren!
"Wenn du nicht sonntags in die Kirche gehst, dann kommst du nicht in den Himmel, sondern wirst in der Hölle schmoren!"
Na ja. Auf den Quatsch fällt heute kaum mehr ein Mensch rein. Das ist einfach zu abgeschmackt. Aber doch.. Wer von euch befürchtet nicht doch tief innen drin, dass er bestraft werden wird, wenn er nicht ein 'guter Mensch' ist? Wer darauf reinfällt, hat einen schweren Seelenverlust erlitten! Die destruktive Seite darf ja nicht mehr gelebt werden - keine Sorge: Der Pfaffe oder der Guru oder wer auch immer weiß sie sehr wohl für sich einzusetzen.Oder auch wieder Staphisagria: Wer bekommt nach sexuellem Verkehr gesundheitliche Probleme? War es denn die reine Freude? Die reine Lust am Leben? Oder steckt da nicht doch eine verquere Moralvorstellung dahinter, die einem da sagt: "Sex ist etwas Sündiges!" ? Bewusste oder unbewusste Schuldgefühle?
Ihr seht schon, wie gefährlich und ungesund es ist, wenn man nicht der eigenen Herzensmoral, sondern einer gedanklich konstruierten Moral folgt, die man eingetrichtert bekommen hat. Schwierig nur, wenn man die Moral des Herzens gar nicht mehr kennt...Wie dem auch sei... der Täter oder der Manipulator bekommt also selbst auf diese Weise sehr viel Kraft und Macht über die schuldmanipulierte Person und kann praktisch noch die eigene Kraft dieser Person nutzen, um sie klein zu halten oder gar sie zu zerstören (das ist jetzt wieder Carcinosinum - das Carcinosinum-Opfer bekommt dann auch richtig Krebs).
Gelingt es einem, diese Gefühle (Schuld) in jemandem wach zu rufen, wird jede negative Handlung dieser Person auf sie selbst zurückfallen. Auch wenn sie zum Zwecke der Selbstverteidigung dient!! Genaugenommen beraubt man eine Person ihrer zerstörerischen Kraft, wenn man ihr versucht einzutrichtern, dass sie ihre dunklen Seiten nicht nutzen dürfen soll! "Du musst anständig sein! Du darfst nichts Böses tun! Du musst bescheiden sein!" usw. Es wird dadurch also die Hälfte(!!) der persönlichen Macht dieser Person gestohlen - und zwar die dunkle Hälfte. Der Täter selbst kann sich diese Kraft dann z.B. so zunutze machen, dass sich diese Person damit quasi selbst zerstört.An dieser Stelle wird es also schwirig, Staphisagria von Carcinosinum zu unterscheiden. Die Sachen oben mischen sich zum Teil. Hier ein paar Unterschiede zwischen dem negativen Staphi- und dem machtbesessenen Carcinosinum-Manipulator:
Staphisagria manipuliert im Negativen die anderen, um seine Gerechtigkeitsvorstellungen anderen aufzudrücken. Aber er manipuliert nicht so stark und nicht so bewusst wie ein aktiver Carcinosinum-Täter. Staphisagria geht es mehr um Gerechtigkeit und Moral - Carcinosinum geht es um Macht über andere und tiefgehende Beeinflussung - bei Carcinosinum steht auch eine materielle Macht sehr im Vordergrund und deswegen werden die Opfer hier auch körperlich schwer krank. Bei Staphisagria geht es um geistige Macht. Es geht um ein geistiges Gefüge und auch um geistige Hierarchie. D.h. es geht letztenendes um Religion. Das Problem bei ihm ist, dass er das Bestreben hat, neutrale Naturgesetze, die eben den 'göttlichen Gesetzen' entsprechen, zu werten. Er ist ein Idealist. Staphisagria ist das Schwert - er unterscheidet. Carcinosinum hingegen ist ein Materialist. Dahinter steckt: "Das irdische Dasein ist schlecht! Die Körperlichkeit ist schlecht! Besitz ist schlecht!" Bei Staphisagria: "Dein Handeln ist schlecht!" (du musst anständig sein usw.) Auf ihre Art und Weise bedienen sich beide der Energie anderer, aber mit völlig unterschiedlichen Qualitäten.Schuldgefühle können mit die destruktivste und größte Blockade darstellen, welche im Leben die entscheidenden Schritte verhindert.
Ein echter Gewissensdruck hingegen kommt nur von innen heraus und hat nichts mit moralischen Forderungen der Umwelt zu tun. Man sagt hier lediglich: "Du hast hier was falsch gemacht. Mach es besser!" Dass Handlungen (oder NICHT-Handlungen) Konsequenzen haben ist ein Naturgesetz und jeder von uns sollte das wissen.
Uff, das war jetzt das schwierigste Kapitel und jetzt können wir uns zunehmend den leichteren und den erlösten Seiten zuwenden.
Viel Spaß allen beim 'So-sein-wie-ihr-wirklich-seid'.
Herzlichst
Sebastian© Sebastian Richter, 27.04. 2002