Re: STAPHISAGRIA Teil II
Geschrieben von Sebastian am 27. April 2002 14:54:44:
Als Antwort auf: Re: STAPHISAGRIA Teil II geschrieben von Suzan am 25. April 2002 10:07:27:
Hallo Suzan
>Du schreibst von der Staphisagria-Frau und dass sie eine "intelligente, kultivierte Wirkung" hat, es ist aber nicht damit verbunden, dass sie auch Stärke ausstrahlt?
Doch. Sie kann durchaus als sehr starke Person nach außen erscheinen. Staphi-Typen können ja einen Panzer um sich rum haben, der nach außen hin den Anschein einer gewissen Festigkeit und Stärke vermittelt. Eine Staphi-Frau kann als sehr stark, als sehr gebildet und als seeeehr intellektuell erscheinen - das geht aber meistens mit einer um so größeren Vergewaltigung ihrer eigenen Seele einher. 'Je intellektueller desto krank' könnte man jetzt sagen, aber das stimmt so nicht. Die gesunde Staphisagria-Frau hat nämlich alles: Gefühl, Zugang zu ihren unterbewussten Schichten, zu ihren Trieben und sie kann deswegen trotzdem über einen messerscharfen Verstand verfügen.
>Meinst Du, dass das "hysterische Verhalten" deshalb als hysterisch zu bezeichnen ist, weil man es nicht nachvollziehen kann?
Nein, wirklich nicht nachvollziehbar ist es bei Ignatia-Patienten (d.h. auch hier ist es nachvollziehbar, aber nur, wenn man sich sehr tief in die Ignatia-Pathologie oder in das Ignatia-Wesen einklinken kann). Bei Staphisagria weiß man schon, warum der sich aufregt.
>Es hat dann weniger mit Lautstärke und Ausbruch und Auf-sich-aufmerksam-machen zu tun?
Bei Staphisagria kennen wir ja zwei Typen: Den stillen und den lautstarken. Beim lautstarken Typ, der sich aktiv erregt, geht es natürlich laut und mit Ausbrüchen einher. Da schaut dann auch jeder hin, wenn der sich echauffiert. Der passive Typ geht einfach nach Hause und leidet und geht immer wieder in die demütigende Situation hinein. Bei dem ist es dann natürlich leiser
>> Staphisagria kann diese Situation nicht loslassen. Wenn Staphi das nächtemal den Bäckerladen betritt, ist die Situation für ihn sofort gegenwärtig und schlimmer noch: Die gleichen Emotionen sind da.
>Hierzu sagt Kerstin ja auch, das "Selbst wenn er kommunizieren würde, würde er weiter verletzt werden und davor hat er Angst - wieder verletzt zu werden."Das ist auch so
>Es spult sich ein wiederkehrendes Muster ab, das es gilt zu durchbrechen, es zu WANDELN, richtig?
Ja klar. Das gilt aber für praktisch alle Krankheitszustände und alle Mittelbilder. Jedes Muster, welches wir nicht erlöst, nicht ins Konstruktive gewandelt haben, äußert sich als nichts anderes als ein Korrektiv, als eine Chance, etwas zu ändern. Und es kehrt immer und immer wieder, so lange, bis wir es angehen oder daran zu Grunde gehen. Wenn wir es in diesem Leben nicht wandeln, dann übertragen wir es weiter auf unsere Kinder und dürfen uns selbst im nächsten Leben oder vielleicht in 50000 Jahren noch damit herumschlagen
>>Wenn sich Frauen generell eher demütigen lassen würden, dann müsste es ja um so mehr Staphi-Frauen geben. Ich teile aber nicht diese Ansicht.
>Ich meinte mit meiner Behauptung, dass Frauen Demütigungen in die Wiege gelegt bekommen habenDiese Auffassung teile ich keineswegs generell.
>und es ihnen deshalb vielleicht generell leichter fällt sich zurückzunehmen, hinten an zu stellen (z.B hinter ihren Mann ... oder weshalb sind heute noch so viele emanziperte Frauen eher Beifahrer, wenn der Mann mitfährt?),
Vielleicht weil sie es genießen können, chauffiert zu werden?
Meine Frau empindet diesen Service als angenehm.
>weil es sich so gehört und weil sie dann im sicheren Haus "mit 'anderen Waffen' kämpfen".
Also dass sich das so gehört, ist nun schon ziemlich veraltet. Es kann schon sein, dass es bei den älteren Semestern deswegen vereinzelt noch so gehandhabt wird.
>In der Öffentlichkeit ist aber immer noch ein starker Mann, Ernährer und Vater in den Köpfen. Die neuen "Weich-Ei-Väter" tragen doch alle einen kleinen Staphi in sich, oder? Ein allzu gestrenger Vater im Hintergrund, oder eben die starke Mutter, die ihren eigenen Frust auf die Kinder übertrug...
Da gibt es sicher vielerlei Konstellationen. Es müssen auch nicht alle neuen Väter 'Weichei-Väter' sein. Was mir oft auffällt ist, dass die 'neuen Väter' oft liebevoller mit ihren Kindern umgehen. Was allgemein bei uns hier in der Gegend zu beobachten ist: Beide Elternteile - sowohl Mütter als auch Väter - scheuen gerne später die Konfromtation mit den Kindern. Sie stellen sich lieber hinter den ganzen Scheiß, den die Kinder bauen und lassen Beschwerden - auch berechtigte Beschwerden - an sich abprallen, was jetzt aber nur bedingt mit Staphisagria zu tun hat.
'Weichei-Vater' kommt mir jetzt so abwertend rüber. Ob der Staphi ein Weichei ist...? So allgemein kann ich das schlecht sagen. Setz mir mal ein vor die Nase, dann sag ich dir, ob es ein Phosphor-, Lycopodium- oder Staphi-Weichei ist.>>Wenn man hinter die Kulisse von vielen Ehen schaut, gerade bei älteren Ehepaaren, stellt man fest, dass die Männer da oft auch nicht so viel zu lachen haben, dass die Frauen nur, die vielleicht nicht so öffentlich sichtbar sind.
>Auch diese Frauen rächen sich doch "nur" für ein Unrecht (aus ihrer ganz persönlichen Sicht), dass ihnen angetan wurde.Du hast also grundsätzlich das Empfinden, dass Frauen in diese Welt hineingeboren, um benachteiligt zu werden?
Das ist natürlich sehr staphisagrisch dieses Unrechtsempfinden - obwohl ich das schon lange nicht mehr so sehen kann. Jemand, der sich grundsätzlich benachteiligt fühlt, der hat seine eigentliche Stärke noch nicht entdeckt. Die anderen sind schuld, die anderen benachteiligen mich, die Welt ist schlecht, Frauen werden alle unterdrückt... das sind Staphisagria-Vorstellungen
Liebe Grüße
Sebastian