Re: Frage Arzneimittelprüfung
Geschrieben von Paulo am 20. März 2008 20:17:07:
Als Antwort auf: Re: Frage Arzneimittelprüfung geschrieben von Shana-Alice am 20. März 2008 11:53:19:
Hi,
>>Am besten, Du machst eine AMP mit. Das wäre die Einweihung in etwas,
>ja,würde ich gerne; das bringt aber wieder die Frage, wer entscheidet, wie gesund ich bin? Da doch jedes Mittel bei jedem individuell wirkt. Wie gelangt es da zur Allgemeingültigkeit, gibt es eine psych.+ phys. Voruntersuchung der Prüfer ? Nach der Definition im Organon?sollen AMP`s stattfinden an gesunden Menschen um das Wesen des Mittels,AMB, zu erfassen um es beim ähnlich Erkrankten einzusetzen. Bin ich aber schon ein Patient dem dieses Mittel entspricht, ist die Auswertung dann noch objektiv. Oder? Wird das dem Prüfer entsprechende Mittel vorher festgestellt? Sind Patient und Probant identisch? Oder wird der Probant in der Prüfung automatisch zum Patienten? Die 3 W-Fragen scheinen mir erst Folgefragen zu sein.Das hatte ich im Prinzip versucht mit "subjektiv und objektiv" zu erklären. Es gibt keine offizielle Kontrollinstanz, die z.B. Prüfungen im Sinne Hahnemanns reglementiert. Demnach können die von Dir erfragten Vorgaben mitunter stark variieren. Dennoch gibt es eine Art commom sense, was Prüfungen betrifft.
Die Gesundheit des Prüfers sollte so gut sein, wie man sie auch in anderen Lebensbereichen erwarten würde, wenn jemand ein bestimmtes Vorhaben hat. Wenn Du z.B. Ski fahren willst oder wandern, klettern oder tauchen, 40 Stunden die Woche arbeiten usw., solltest Du entsprechend belastbar sein, um durch diese Aktivitäten keinen Schaden zu erleiden. Dass Du Muskelkater bekommst, mal richtig geschafft bist und dass fast jeder kleine Zipperleins hat, die ihn manchmal beeinflussen, ist normal. Perfekte Gesundheit wird also nicht erwartet, aber man sollte eben physisch wie psychisch der Anforderung gewachsen sein.
Zudem sollten bestimmte Regeln bei der Einnahme des zu Prüfenden Mittels, sowie ein angemessenes Setting incl. einem verlässlichen Leiters, gegeben sein, um zwar gute Prüfsymptome zu bekommen (s. Muskelkater, etc.), aber keine Einprägungen.Bei der Prüfung, die ich letztes Jahr durchgeführt habe, hab ich mit jedem Prüfling ein Vorgespräch geführt, um etwas über seine Motivation zur Teilnahme zu erfahren, sowie mich von seinem angemessenen phys. und psych. Gesundheitszustand zu überzeugen. Außerdem stellt dieser erste persönliche Kontakt eine erste vertrauensschaffende Begegnung her. Die Art wie dies geschieht gibt erste Hinweise auf die Wirkung des Mittels. D.h. manche dieser ersten Eindrücke stellen sich in der Prüfung als Themen des Mittels heraus, andere wiederrum treten wieder in den Hintergrund.
Ebenso wird aus subjektiven Wahrnehmungen durch die gesammelten Erfahrungen ein immer objektiveres Mittelbild. Wie gesagt, bietet eine erste Prüfung da nur einen kleinen Einblick und weitere Prüfungen objektivieren und erweitern dieses Bild.Und schließlich ist es egal, ob das Mittel zu jemandem passt oder nicht. Bei dem einen mag es ein vorübergehendes Prüfungssymptom erzeugen, welches bei einem anderen vorher vorhanden war und nun dauerhaft verschwindet. Die Heilung eines Symptoms ist eine zufällige, aber wünschenswerte Begleiterscheinung einer Prüfung, die i.d.R. eine gute Verifizierung des betreffenden Symptoms darstellt.
Viele Symptome von Mitteln sind erst in der klinischen Erfahrung bestätigt oder eben erst entdeckt worden. D.h. in der Anwendung des Mittels bei Patienten werden Heilungen bestimmter Symptome beobachtet, welche dann in das Mittelbild miteinfließen und sozusagen nachgetragen werden.>>dass man erfahren muss, um es wirklich zu verstehen.
>ganz sicher ist das ein Punkt zur persönlichen Entwicklung.Zum grundsätzlichen Verstehen des Prinzips durch eigene Erfahrung, auch in die anderen AMB. Aber muß ein Behandler sich nicht hauptsächlich auf Erfahrungen anderer stützen.
>Das hört sich allerdings ein wenig an wie, nur wer von der Brücke springt, weiß was der Verletzte durchmacht. Nur wer einmal Rauschmittel genommen hat, kann deren Wirkung nutzen. Der Vergleich hinkt sicher, da eine so dramatische Entwicklung sicher nicht eintritt?Ja, der Vergleich hinkt ein wenig. Ordentlich durchgeführte Prüfungen stellen eine geringe Gefahr dar für die Prüflinge. Ihr Nutzen, durch die gemachten Erfahrungen, haben eher einen positiven und stärkenden Einfluss auf Psyche und Körper. Das hat auch schon Hahnemann so gesehen. Wobei, vielleicht wollte er auch nur Werbung machen für AMP´s, da es ja noch sooo viele Mittel zu erforschen gab..
. Ne, im Ernst. Werden alle Sicherheitsvorkehrungen beachtet und kann der Leiter die Gruppe und die einzelnen Teilnehmer in der Prüfung gut unterstützen und begleiten, haben Prüfungen einen ähnlichen Entwicklungseffekt wie andere Seminare zur Schulung der physischen und seelischen Gesundheit. Und unter anderen Seminaren gibt es eben auch hilfreiche und weniger hilfreiche bis schadende.
>Da fällt mir ein: Könnten AMP evtl. süchtig machen - nach immer wieder neuen Erfahrungen?
S.o., es gibt Leute, die sind von Selbsterfahrungsretreats, Therapien, etc. abhängig. Wobei die Grenze nicht leicht zu ziehen ist zwischen heilsamem Ventil und meinetwegen Flucht vor dem Alltag. Oder vielleicht braucht jemand auch einen gewissen Abstand vom Alltag, um sein Leben zu überdenken und sich dann wieder neu den Herausforderungen des Lebens zu stellen.
Wenn jemand zu Süchten neigt, wird er diesem Thema vermutlich auch in Prüfungen begegnen, v.a. bei entsprechenden Mitteln (das Gesetz der Ähnlichkeit). Jedoch sollten gut durchgeführte Prüfungen, ihm früher oder später das Bewusstsein und die Kraft verleihen, darüber hinauszuwachsen.>
> dann hänge ich gleich noch einige Fragen an:z. B. akute Symptombehandlung:
>Angenommen ein Patient bekommt ein Mittel gegen akute Symptome. Das M. ist richtig gewählt und deckt somit den Fall ab. Was aber ist mit den Symptomen die dem Mittel sonst noch entsprechen?Lt. AMP. Treten diese dann als Nebenwirkung auf? Falls ja – Entwickeln N. somit ein eigenes Krankheitsbild? Werden sie dann einfach ignoriert , da diese Wirkung bekannt ist? Klingen die N. ab in der Heilungsphase? Die Wirkung des M. ist doch langwirkend. Selbst wenn es abgesetzt wird. Habe ich das falsch verstanden? Wirkt ein Mittel seinem Wesen nach nur dort wo das Krankheitsbild sowieso latent vorhanden ist? War die neue Erkrankung nie ein Thema für den Patienten, aber tiefer verwurzelt als das akute Krankheitsgeschehen, wird er trotz Aufklärung nicht misstrauisch? Was, wenn er darauf besteht die neuen Symptome zu behandeln, weil uneinsichtig? Lehnt der H. das ab? Kann das Mittel einen Charakterzug, der nie gelebt wurde, zutage fördern? Kommt der P. nicht in Konflikt, wenn er diesen nicht akzeptieren kann? subjektiv-objektiv. Muß dann nicht eine tieffundierte psycholog. Betreuung stattfinden?
>(schwitz) Homöopathie ist soviel tiefgreifender als "Schnellkurse vermitteln".Was Du schreibst, ist alles mehr oder weniger denkbar. Wie schon gesagt, gehört die Leitung einer Prüfung in die Hand eines verantwortungsvollen und kompetenten Menschen, der sich obiger Zusammenhänge bewusst ist, sie einschätzen kann und niemanden an einer Prüfung teilnehmen lässt, der dafür physisch und psychisch zu labil wäre.
Auch in der homöopathischen Behandlung kann es sein, dass ein Patient ein "falsches" Mittel bekommt. Was an sich noch kein Weltuntergang ist, solange der Behandler diese Reaktionen einzuordnen weiß und entsprechend darauf reagiert. Das hieße z.B., nach negativen Reaktionen das Mittel nicht zu wiederholen, v.a. nicht in der selben Potenz. Auch in Prüfungen setzt man das Mittel ab, wenn sich deutliche Reaktionen gezeigt haben. Die Symptome klingen meistens nach einer Weile wieder ab. Wenn nicht kann man antidotieren oder ein gutes Folgemittel geben (Homöodot). Das gilt im Prinzip für die Prüfung, wie für die Behandlung.>liebe Grüße Shana-Alice
LG
Paulo